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Werkschau Alain Tanner

Ein Festival, das sich dem deutschen, österreichischen und Schweizer Film verschrieben hat, kommt nicht an Alain Tanner vorbei. Er ist neben Jean-Luc Godard und Fredi Murer der bedeutendste Schweizer Regisseur. Leider hat er in einem Brief sein Bedauern darüber zum Ausdruck gegeben, dass er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage ist, die Reise in das Fünf-Seen-Land anzutreten. Dennoch ist eine Werkschau seiner Filme unbedingt nötig.
Alain Tanner wurde 1929 in Genf geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität in Genf. 1951 wurde er Moderatur des Ciné-Clubs der Uni Genf, der durch Glaude Goretta gegründet worden war. 1955 begann er, am britischen Kinoinstitut zu arbeiten. 1957 machte er seinen ersten Film mit Claude Goretta. Zwischen 1960 und 1968 kam er in die Schweiz zurück und verwirklichte mehrere Dokumentar- und Fernsehfilme. 1962 war er Mitbegründer der der Schweizer Verbandes für Filmregisseure. 1969 drehte er seinen ersten Spielfilm.
Die in der Folge entstandenen Filmen sind von Utopien und imaginären oder realen Reisen geprägt. Sie gehören zu den weltweit Schönsten des \"nouveaux cinémas\".
„In jeder Einstellung eines Filmes braucht es eine Spur von Schönheit, sei sie auch noch so klein ,“ sagt Alain Tanner über seine Filme. „Wir befinden uns in einem System der allgemeinen Manipulation, und die Filmschaffenden sind mehrheitlich Komplizen dieses Systems. (...) Man sollte daher jeden Akt der Subversion mit dem künstlerischen Diskurs unterstützen. (...) Die Personen, Schauspieler und alle, die die technischen Geräte handhaben, machen den Film zu einem „gaudio del amore“, wie es im Lied heisst.“
Seine Filme werden bleiben, auch wenn sie aus der jetzigen Zeit gefallen zu sein scheinen. Charles mort ou vif , der den Regisseur erkennen lässt, La Salamandre, den weltweit über zwei Millionen Zuschauer gesehen haben, schließlich Jonas, qui aura 25 ans en l\'an 2000\' sind Filme voller ironischer, philosophischer und utopischer Elemente.
Eine Zeit voller Träume ist vergangen. Die Verhältnisse haben sich geändert. Heute gibt es praktisch keine Auseinandersetzung mit dem Film mehr, mit dem Schreiben und dem Handwerk. Oder anders gesagt: Es gab diese Auseinandersetzung, und es gibt sie noch immer, aber sie ist zersplittert und verzettelt. Mit den Filmen dieser Retrospektive wollen wir einfach noch einmal auf die Möglichkeit und den Mut für eine andere Welt hinweisen. Es ist nicht zu spät. Oder lächerlich.